In einem Zeitungsartikel habe ich kürzlich gelesen, dass durch das Nichtrauchergesetz immer mehr Kneipen schließen. Tatsächlich aber gibt es dieses Phänomen des sogenannten Kneipensterbens schon viel länger. In Großstädten noch eher als auf dem Land. Das Nichtrauchergesetz hat es praktisch nur den Abgrund heruntergestoßen an dem es bereits Jahrelang stand.

Typische Kneipenszene der 80 er
Vorbei die Zeit in denen unsägliche Marions, Renates oder Werners warmes Bier ohne Kohlesäure gezapft haben. Der Korn wurde aus der Tiefkühltruhe geholt. Essen gab es von der "heißen Hexe". Man genoss sein Herrengedeck zwischen Schlagermusik und Rauchschwaden. Und ja, man war Mitglied im Sparverein um dazu zu gehören. Miefig und spießig von der wackelnden Holzbestuhlung über den schmuddeligen Filzteppich bis zur Nikotin-vergilbten Tapete. Alle redeten laut, lachten und hatten Spaß an den Gesprächen und den Getränken. Man traf sich nach der Arbeit und tauschte sich aus. Es war gemütlich.
So habe ich jedenfalls die Kneipe aus meiner Kindheit in den 1970/80 ern in Erinnerung.

Mal drüber nachdenken
Das war eine Zeit, als es überhaupt kein Problem war, ein Kind für Stunden mit in die Kneipe zu nehmen. Schließlich wurde ich mit einer Tafel Schokolade und Fanta, so viel ich trinken konnte, "ruhig gestellt".
Später, als ich dann als Erwachsener in die Kneipe ging, waren dort im Hinterzimmer Billardtische und Dartcomputer aufgestellt. Die heiße Hexe gab es nicht mehr. Und da wo damals der Zigarettenautomat stand, stand nun ein Fernseher. Am Tresen saßen vereinzelt verlorene Seelen, die mit hängenden Köpfen und leerem Blick in ihr Bier starrten. Ein Blick auf die Musikbox verriet, dass die Lieder noch die gleichen sind wie damals.
Und ich glaube, dass sich viele Leser dieses Artikels bestimmt wiedererkennen. Oder zumindest Teile davon. Dabei ist es egal, ob man in Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt wohnt.
Und jetzt? Diese alte Kneipen-Generation ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben. Natürlich gibt es hier und da immer noch einige Kneipen. Ich denke aber, dass sich die Bevölkerung- oder anders gesagt, das "Trink"-Bewusstsein verändert hat.
In einem Land, das in der Welt für seinen Gerstensaft berühmt ist, (der seit Jahren rückläufig ist) muss etwas passiert sein.

So sehr ich die alten Kneipen verabscheue, stimmt mich ihr Sterben doch traurig.
Inzwischen ist ein Großteil der Deutschen zur einer Latte Macchiato-Prosecco-Caipi-Gesellschaft verkommen. Sie gehen ins Solarium und trinken natriumarmes Mineralwasser oder einen Decafsojalattemitsüßstoff. Ist auch nicht wirklich besser als früher.
Der Mensch als solches hat sich aber eigentlich nicht verändert. Es gibt auch weiterhin Deutsche, die gerne in guter Gesellschaft Alkohol trinken. Also genau wie damals. Ich gebe zu, ich gehöre
auch dazu. Was nun?
Das Glück ist, dass in ganz Deutschland immer mehr gute Bars eröffnen. Schön nachzulesen in der neuesten Ausgabe der Mixology. Hier werden die besten Bar Neueröffnungen 2011 auf den Seiten 8-9 vorgestellt.
Aber auch die "altgedienten" Bars, wo man am Ende eines guten Essens oder einfach nur nach einem harten Arbeitstag gerne einkehrt, sind Orte an denen man sich wohlfühlt.
Im Allgemeinen haben diese "Gaststätten" ein Konzept. Das Interieur ist liebevoll vom Inhaber zusammengestellt oder gar von einem Designer teuer gestaltet. Egal wie durchgestylt die Bar auch sein mag, die Getränkeauswahl ist exzellent und sehr abwechlungsreich.

Bartender nehmen freiwillig und ohne zwang, sondern nur um sich zu verbessern und sich zu messen, an Workshops und Wettbewerben teil. Sie benutzen hochwertige Zutaten und Produkte. Es wird viel mit Spirituosen, Kräutern und Gewürzen experimentiert. Viele von ihnen setzen sogar selbst an. Einige organisieren sich in Zirkeln oder Netzwerken.
Der Bartender ist ein wundervoller Gastgeber, der versucht, Dir und Deiner Begleitung einen tollen Abend zu bereiten.
Ja, man kann sagen, dass es in Deutschland eine Barkultur entstanden ist. Es wird zwar wohl nie die Quantität der Kneipenkultur erreichen aber das macht gar nichts, weil die Qualität entscheidend ist. Das ich hier nicht von Sausalitos und Co. schreibe, wenn ich von Bars schreibe, sollte natürlich jedem klar sein.
In diesem Zusammenhang finde ich es sehr schade, das der Begriff Cocktailbar leider nicht geschützt ist und ihn jeder nutzen kann. Das ist aber ein anderes Thema.
Ich freue mich jedenfalls, dass immer mehr Leute den Mut haben den Traum von ihrer eigenen Bar zu Leben ! Und ich bin gern der Gast...
Und was ist nun mit den Kneipen heut zu Tage? Es gibt einige wenige die gut sind. Die wird es wohl auch weiterhin geben. Gut so. Andere können nur überleben, wenn sie ein Konzept haben. Viele bieten ihr eigenes Bier an. Die sogenannten Hausbrauereien. Das funktioniert gut. Aber auch klassische Sportsbars zähle ich zu den modernen Kneipen. Helle und freundliche Räume, nette kleine Snacks und Fußball Bundesliga. Das wichtigste ist aber, dass sie lieben was sie tun...!
Und dass kann man sich ausnahmslos bei jeden Barkeeper dieser Republik abschauen.
Also auf in die Bar.
Bis bald Olaf.
Bildquellen: www.
arfo.de, luups.net, tip-berlin.de, wikipedia.de

Hey Olaf,
AntwortenLöschenIn der Tat ein interessantes Thema.
Leider hält der Titel nicht ganz was er verspricht. Ich finde ich den Artikel ein wenig nichtssagend, hier werden verschiedene Themen und Aspekte zusammengeworfen - teilweise sind die Argumente vernetzt, teilweise stehen sie für sich im Raum. Du wirfst hier Begriffe, wie Kneipe, Bierkonsum, Bar- und Cocktailkultur, Franchisegastronomie und "Latte Macchiato-Prosecco-Caipi-Gesellschaft" in einen Topf, ohne die Begriffe in Zusammenhang zu bringen und die Situation basierend auf diesen Parametern zu analysieren und zu entschlüsseln sowie mit einer Conclusio ein Fazit zu ziehen.
Schade..., da war mehr drin.
Anbei eine Leseempfehlung zu dem Thema, wenn auch nicht so universal (;-):
http://www.fizzz.de/mediadb/292951/292952/barbier.pdf
Hallo Sanjay,
AntwortenLöschenvielen Dank für deine ehrliche und konstruktive Kritik.
Ich nehme mir das sehr zu Herzen.
Ich wollte vielleicht zu viel auf einmal. Das kann sein.
Mein Anliegen war es den Unterschied zwischen der "trinkenden" Gesellschaft damals und heute klar zu stellen.
Am Ende wollte ich herausarbeiten, dass ich mich sehr freue, dass ich im hier heute lebe und das ich mich über die entstandene Barkultur in Deutschland der letzten Jahre sehr freue. Auch wenn es nebenher eine anderes Trink-Bewusstsein gibt. Eben die Latte Macchiato....Gesellschaft.
Mit dem gesunkenen Bierkonsum wollte ich unterstreichen, dass das ein weiteres Indiz für das Kneipensterben ist und sich das Trink-Bewusstsein der Deutschen in den letzten Jahren verändert hat.
Danke für den Interessanten Link.
Gruß nach Berlin.
Olaf.
So in etwa würde meine Kritik an dem Artikel auch ausfallen. Was meine Meinung zu Bier und Bar ist können Sie in der Fizzz lesen.
AntwortenLöschenmfg Marc Stein
Sehr geehrter Herr Stein,
AntwortenLöschenVielen Dank für den Kommentar.
Nur zur Info zum Thema Bier in der Bar hatte ich bereits im Februar 2010 ein Bericht geschrieben.
Hier der Link: http://www.bartender-lab.de/2010/02/bier-in-der-bar.html