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Sonntag, 8. Januar 2012

Die Leobar - Ein Barprojekt auf Zeit


"Die Zeit ist das Feuer in dem wir verbrennen."
Dr. Tolian Soran El-Aurianischer Wissenschaftler, 2371 A.D.

Das neue Jahr und gleich ein Tabubruch. Denn wir vom Bartender Labor haben immer gesagt, dass wir nie über eine Bar berichten werden. Weder positiv noch negativ. In diesem Fall können wir mal eine Ausnahme machen. Denn diese Bar wird definitiv das Jahr 2012 nicht überleben? Wie jetzt? Kaum offen, schon pleite? Gibt es etwa wie bei der leider kürzlich geschlossenen Q-Bar Vertragsdifferenzen? Nein, der Grund ist viel profaner. Das Wohnhaus, in dem die Leobar residiert, wird in diesem Frühjahr abgerissen.

In den Räumlichkeiten der Bar befand sich vorher das Café Leonar. Eine Caféoase mitten im jüdischen Herzen Hamburgs. Kein Geschichtsschwangerer Raum sondern ein Café wo gelacht, gelesen, getrunken, gegessen und sich einfach getroffen wurde.
Benannt ist das Leonar nach einer jüdischen Firma, die im Vorkriegsdeutschland Fotopapier herstellte. Der Name setzt sich aus den Namen Löwenthal und Arndt zusammen. Das Café Leonar ist inzwischen 100 Meter weiter gezogen und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit.

Aber zurück zur Bar. Mit kleinem Budget haben Arash Karimi und Arnold Simmenauer das ehemalige Café in eine beachtliche Bar verwandelt. Die Kunst hierbei ist, dass sie so aussieht, als wäre sie in Hamburg bereits seit Jahren schon eine feste Institution der gemischten Getränke.
Ein großer Raum mit verschiedenen gemütlichen Sitzgruppen in der Mitte. Aber auch versteckt in der Ecke. Die Bar selbst ist umsäumt von einer festinstallierten Sitzbank aus Einzelsitzen, die mit braunem Louis Vuitton Leder bezogen sind. Sehr schräg aber irgendwie cool. Diese Sitzgelegenheiten erinnern mich an Flugzeugsitze aus einem Privatjet eines schrulligen Millionärs.


Eine Karte gibt es nicht. An einer Schiefertafel neben dem Rückbuffet sind dann einige Drinks angeschrieben. Nicht nur der Barkenner und der Spirituosenliebhaber bekommen natürlich auch andere Drinks und Cocktails. Alles sauber zubereitet ohne viel Tam Tam. Das Backboard der Bar sieht aus wie ein Bücherregal in dem Bilder Flaschen und Musikboxen gleichermaßen Platz finden. Alles sehr charmant. Die Spirituosen Auswahl ist solide gut und machen Lust auf einen schönen Barabend.


Auf ein Konzept angesprochen, antwortet Arash nur, dass es bei dieser kurzen Zeit einer Bar nur das Wohlfühlen im Vordergrund steht. Vorbeikommen und eine gute Zeit haben, so lange es hier noch geht.
"Einige Gäste sind jetzt schon tottraurig, dass die Bar nicht mehr lange existiert.
Die Leute vertröste ich dann auf das Café Leonar. Hier wird es später, nach dem Abends der normale Café- und Restaurantbetrieb eingestellt ist, weiter Drinks und gute Musik geben. Bei der Planung des neuen Café Leonar haben wir darauf geachtet, dass es eine vernünftige Cocktailstation gibt." So Arash weiter.
Arash selbst ist in Hamburg ja schon länger in der Barszene bekannt. Unter anderem hat er in den Riverkasematten sowie im Raven gearbeitet. Im Dezember letzten Jahres hat er den Repealday zusammen mit Jörg Meyer und Marcel Baumann in der Leobar veranstaltet.


In der Leobar mischen nun die Herren Karimi und Simmenauer mit der Unterstützung von Deniz Cömert jeden Abend feinste Getränke. Alle drei sind hervorragende Gastgeber, bei denen man sich gleich wohlfühlt.
Wenn ihr jetzt meint die Namen zu kennen, dann liegt ihr nicht ganz falsch. Das Trio war letztes Jahr unter dem Motto:
"Ein Jude, ein Perser und ein Türke mixen einen Cocktail. Likör verbindet!"
bei der Liquetition bereits am Start.

Von links: Arnold Simmenauer, Arash Karimi und Deniz Cömert

Also wenn ihr mal wieder in der nächsten Zeit in Hamburg seid, dann müsst ihr auf jeden Fall hier vorbei schauen, bevor es die Bar nicht mehr gibt...
Denn wer zu spät kommt, den bestraft .... Ach, ihr wisst schon...


Leobar
Grindelhof 59
20146 Hamburg

Wir sehen uns dort
Olaf

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