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Dienstag, 12. April 2011

Kräuter-Gröning und die Kratzbeere

Wie gewohnt, kommt vor einem Spirituosen-Post immer die Vorstellung der entsprechenden Pflanze. Und so widmet sich "Kräuter-und-Gewürz-Gröning" heute mal einem wilden Früchtchen. Was mich irgendwie an meine Kindheit erinnert und wie ich als kleiner Junge auf Nahrungsstreifzug durch den großelterlichen Garten ging. Denn dort wuchs alles, was das Früchte-Herz begehrte. Von Süß- und Sauerkirsch-, Apfel- und Birnbäumen, über Erd-, Stachel- und Johannisbeeren, bis hin zu dem riesigen Brombeerstrauch, der voller Pracht hinter der Garage des Großvaters wucherte.

Brombeeren
(Bildquelle: Wikipedia)

Die Kratzbeere (Rubus caesius) oder auch Kroatzbeere, wie sie nach schlesischer Mundart genannt wird, ist nichts weiter, als eine wilde Brombeere (Rubus). Äußerlich unterscheiden sich die zwei nur durch ihre Fruchthaut. Während die Brombeere nahezu glänzt, ist die Kratzbeere leicht bereift oder stumpf bis matt. (siehe Bilder)

Kratzbeeren
(Bildquelle: Wikipedia)

Die Pflanzen:
Rein pflanzlich sind sich beide Arten nahezu gleich. Beide mit Stacheln besetzten Sträucher gehören zu den Kletterpflanzen und können Wuchshöhen zwischen einem halben und drei Metern erreichen. Sie ist vor allem in Hecken, Gebüschen, an Waldrändern, Feldrainen und Mauern zu finden. Ihre Blätter sind oben dunkel- und unten hellgrün und behaart.
Zwischen Juni und August tragen beide ihre weißen Blüten und bereits im Juli kann man ihre Früchte bis in den September hinein geniessen.

Brombeerblüte
(Bildquelle: Wikipedia)

Die Verwendung:
Früher verwendete man die Beeren gern als Haarfärbemittel. Zudem wirken die Blätter adstringierend (zusammenziehend), was Wundheilungen förderte. Ebenfalls weniger bekannt dürfte die Tatsache sein, dass die Brombeere im Mittelalter Bestandteil des sehr geschätzten Getränkes "Moratum" war. Hierzu wurden wilde Maulbeeren (lat. moratum) und Brombeeren zerquetscht, ihr Saft mit würzigen Kräutern und Honig in ein Fass gegeben und zur Gärung gebracht und später gern auch mit Wein versetzt.

Die heute üblichen Verwendungen sollten uns allen weitgehend bekannt sein. Gerne werden die Früchte frisch verzehrt oder als Kuchebelag genutzt. Unsere Großeltern machten daraus gern auch Marmeladen, Gelees oder kochten sie zu köstlichem Kompott ein. Leider kenne ich kaum noch Menschen, die sich heutzutage die Arbeit machen, ausser vielleicht leidenschaftliche Kleingärtner.

Brombeerkuchen
(Bildquelle: Native Plants)

Selbstverständlich lassen sich aus den Früchten auch Säfte und Destillate herstellen. Bei letzterem meistens eher Geiste, seltener auch Brände. Aber diesem Thema wird sich Olaf in seinem nächsten Post widmen, wenn er uns einen Kroatzbeer-Likör vorstellt.

Bis dahin - Euer Jens

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