Thorsten hat es ja bereits angekündigt - das Panneksche Labor zog nun zum zweiten Mal ins Gröningsche Wohnzimmer, um fürchterlich viele Kümmelliköre zu verkosten. Pünktlich um 16 Uhr fanden sich Thorsten Pannek, Marcus Wolff und Olaf Wüstenhagen in meiner zwei Zimmer Wohnung in Berlin Britz ein. Constantin Falk, seinerseits Fotograf (siehe die tollen Bilder) und interessierter Connaisseur wie Olaf, komplettierte nicht nur unserer Runde, sondern erweiterte unser Tasting um eine weitere mitgebrachte Flasche Kümmellikör aus dem Erzgebirge, sowie um einen weiteren Gaumen samt Zunge und Geschmacksknospen.

Somit standen also 10 Spirituosen bereit, die es blind zu verkosten galt. Bewertet wurden die Liköre nach dem Prinzip der Tastings bei Mixology - nach Nase, Körper, Nachhall und einer Punktevergabe von 1-5, wobei auch halbe Punkte erlaubt waren. Und hier kommen sie nun endlich - die Ergebnisse:
Lehment Rostocker Doppelkümmel (Rostock) - 38% Vol.
Nase: nur leichte Kümmelnote, leichte Süße
Körper: relativ viel Anis- und Fenchelnoten, Süße, weniger Kümmel, als in der Nase
Nachhall: schnell weg, nur Süße
Burgen Kümmel (Schlitz in Hessen) - 35% Vol.
Nase: Süße mit einem Hauch von Kümmel
Körper: klebrig süß, aber auch kräuterig und pfeffrig
Nachhall: außer Süße bleibt da nicht viel
Helbing Hamburgs Feiner Kümmel (Hamburg) - 35% Vol.
Nase: sehr feine und ausgewogene Nase, Kümmel- und Kräuternoten
Körper: harmonisch im Geschmack, leichte Süße, besser gebrannt als die 2 Vorgänger
Nachhall: vorne eher kurz, hinten dafür kümmelig
Gilka Bio Kaiser-Kümmel (Berlin) - 38% Vol.
Nase: sehr volle Nase, tolle Kümmel- und leichte Pfeffernoten
Körper: leichte Schärfe, sofort Kümmel auf der Zunge, Honignoten, frische und harmonische Süße
Nachhall: eher kurz, schnell weg
Gilka Kaiser-Kümmel (Berlin - alte Auflage, vor Bio) - 38% Vol.
Nase: leichtere Nase als die Bioversion, gute Kräuternote
Körper: weich, mild, angenehm süßlich, hamonisch, wir tauften ihn den "Mädchen-Kümmel"
Nachhall: eher flach, leichte Süße
Gilka-Kümmel (Berlin - mind. 40 Jahre alt, heute erst geöffnet!) - 40% Vol.
Nase: tolle Nase, satte ausgeprägte Kümmelnote
Körper: im Gegenteil zur Nase eher schwache Kümmelnote, sehr intensiv aber unharmonisch und unrund
Nachhall: langer Nachhall, leichte Kümmelnote
Alt-Siegener Oechelhauser Kümmel (Siegen) - 30% Vol.
Nase: Wahnsinns-Nase, bisher die stärkste und beste Kümmelnote
Körper: kräftiges Kümmelaroma, nicht zu süß, nach hinten raus etwas flach
Nachhall: langer Nachhall, feinste Kümmelnoten
Grützmacher Echt Berliner Kümmel (Berlin) - 32% Vol.
Nase: kaum Kümmel, dafür viel Fenchel
Körper: die kräftigen Fenchel- und Anisaromen überdecken jeglichen Kümmel
Nachhall: relativ lang, dafür aber viel Fenchel, eher Bonbon artig
Aecht Bockauer Kümmel (Erzgebirge) - 30% Vol.
Nase: angenehm kümmelig
Körper: flach und etwas zu süß, dadurch geht die Kümmelnote unter
Nachhall: wie Süßstoff, eher künstlich
Lütt'n Hamborger Kümmel (Hamburg) - 32% Vol.
Nase: kräftige Kümmelnote, leichtes Citrusaroma
Körper: kaum Süße, Kümmelaroma, schmekt aber eher wie ein Brand
Nachhall: mittellanger, eher bitterer Abgang

Ranking nach Punkten im Durchschnitt:
01. Platz mit 4,1 Punkten - Alt-Siegener Oechelhauser Kümmel
02. Platz mit 3,9 Punkten - Gilka Bio Kaiser-Kümmel
03. Platz mit 3,5 Punkten - Gilka Kaiser-Kümmel (alte Auflage)
04. Platz mit 2,9 Punkten - Helbing Hamburgs Feiner Kümmel
05. Platz mit 2,4 Punkten - Aecht Bockauer Kümmel
06. Platz mit 2,1 Punkten - Lehment Rostocker Doppelkümmel
07. Platz mit 2,0 Punkten - Gilka-Kümmel (über 40 Jahre alt)
08. Platz mit 1,9 Punkten - Lütt'n Hamborger Kümmel
09. Platz mit 1,6 Punkten - Grützmacher Echt Berliner Kümmel
10. Platz mit 1,0 Punkten - Burgen Kümmel
Fazit:
Es ist mal wieder interessant, was eine Blindverkostung so ausmacht. Da werden dann doch manchmal Favoriten auf andere Plätze verwiesen und "Underdogs" stehen plötzlich im Rampenlicht. Somit waren auch hier die Teilnehmer sehr überrascht. Zumindest Olaf, der als Wahlhamburger den Helbing favorisierte und GSA-Pannek, der ja schon immer in seinen Gilka verliebt war. Stattdessen machte ein Discountprodukt aus Hessen das Rennen und steht mit seinen 7-8 Euro pro Flasche in einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das war echt hart und ich denke, alle Beteiligten hatten vorerst genug von Kümmel in jeglicher Form. Hierauf wurden erstmal Biere und Horse's Neck gereicht, bevor Pannek meine Küche in eine Mixstation verwandelte, um heraus zu finden, wie sich die Favoriten in verschiedenen Cocktails schlagen. Aber dazu mehr im nächsten Post.
Bis dahin und ein "kümmeliges" Wochenende
Euer Jens

Oechelhaeuser noch vor Gilka... Das ist ja interessant.
AntwortenLöschenJa Mirko, dass hat uns auch gewundert.
AntwortenLöschenVor allem Thorsten als alter Gilka-Fan musste es zähneknirschend hinnehmen.
Übrigens ein Kümmel fehlte. Der Oldesloher.
Gruß Olaf